Das Filmforum bei den 61. Nordischen Filmtagen Lübeck 2019

Das „Filmforum“ ist seit über 30 Jahren die Plattform für den norddeutschen Film bei den Nordischen Filmtagen Lübeck. Wie in früheren Jahren geht es auch in der 61. Ausgabe des Festivals um „Geschichten des Lebens und gelebte Geschichte“. Insgesamt 44 Spiel-, Dokumentar und Kurzfilme im Filmforum präsentiert. Im Programm sind außergewöhnliche Dokumentar- und Spielfilme junger Nachwuchs-Filmemacher(innen) wie auch Werke von renommierten Regisseur:innen vorgesehen, die mit neuen Stoffen das Publikum erreichen wollen. Viele Filme folgen den Spuren des Vergangenen, widmen sich der Geschichtsaufarbeitung oder auch Familiengeschichten.

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Das Foto des Pressebüros der NFL zeigt die verantwortlichen Leitenden des Filmfestivals, Linde Fröhlich (Artistic Director) und Florian Vollmers (Managing Director)

Zwei Spielfilme des Filmforums haben in diesem Jahr eine Chance, den seit einem Jahr eingeführten und mit 7.500 Euro dotierten „Preis des Freundeskreises für das beste Spielfilmdebüt“ zu gewinnen. Der Film „Coup“ von Sven O. Hill beruht auf wahren Begebenheiten und erzählt die Geschichte eines bisher unbekannten Bankbetrugs in den 1980er Jahren. In Sarah Winkenstettes Debütfilm „Zu weit weg“ wird der Verlust von Heimat thematisiert. Laut Presse-Ankündigung der Veranstalter geht es dabei um einen 12-Jährigen Ben, der mit seiner Familie in die nächstgrößere Stadt umziehen muss, da sein Heimatdorf einem riesigen Braunkohletagebau weichen soll. Im Film wird ihm Tariq zur Seite gestellt, Bens neuer Mitschüler, er ist Flüchtling aus Syrien. Sarah Winkenstette verbindet die Schicksale der beiden Jungen miteinander.

Neben Erstlingswerken sind in diesem Jahr auch wieder bekannte Regisseur(innen) vertreten, die vor allem auch in Norddeutschland wirken. Kathrin Gebbe, die 2013 in Cannes ihr Spielfilmdebüt feierte, wird dieses Jahr ihren Film „Pelikanblut“ über eine Adoptivtochter, die das Leben einer Familie durcheinander bringt, zeigen. Lars-Gunnar Lotz wird mit dem Krimi-Drama „Tage des letzten Schnees“ bei den Filmtagen vertreten sein. In der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jan Costin Wagner offenbart sich ein fatales Beziehungsgeflecht, das Menschen, die ursprünglich nichts miteinander verbunden hat, schicksalhaft zusammenführt. Auch der bekannte Regisseur André Erkau wird bei den NFL vertreten sein, und zwar mit der romantischen Weihnachtskomödie „Auf einmal war es Liebe“. mit Kostja Uhlmann, Kim Riedle, Johannes Allmayer und Julia Hartmann in tragenden Rollen. Mit diesem Film feiert der Regisseur bei den 61. Nordischen Filmtagen Lübeck in der Schauspieler-Besetzung Weltpremiere.

Die im holsteinischen Grevesmühlen beheimatete Regisseurin Christin Freitag stellt ihren dokumentarischen Abschlussfilm „Let the Bell Ring“ vor. In ihm wirft sie einen Blick hinter die Kulissen der Amateur-Box-Ringe Kaliforniens.

Die Dokumentarfilme im Filmforum setzen sich unter anderem mit historischen Persönlichkeiten wie der Vorreiterin der abstrakten Malerei, der schwedischen Künstlerin Hilma af Klint (Filmtitel: „Jenseits des Sichtbaren – Hilma af Klint“) oder dem Einsiedler und Exzentriker Ernst Otto Carl Grassmé (Filmtitel: „Freistaat Mittelpunkt“) auseinander.

Landwirtschaft ist im norddeutschen Raum ein wichtiges Thema. Dies belegen die Dokumentarfilme „An der Bruchkante – Imker in Mecklenburg“ und „Born for Korn“.

Um Aufarbeitung von Geschichte und weltpolitischen Zusammenhängen geht es in dem Film „Das Kolonialinstitut“. Hierin wird die Geschichte des gleichnamigen Instituts beleuchtet, das als direkter Vorläufer der Universität Hamburg 1909 gegründet wurde, um den Kolonialismus auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen und somit zu verfestigen.

„Fortschritt im Tal der Ahnungslosen“ erzählt zwischen Melancholie und Absurdität vom geteilten Heimatverlust syrischer Asylbewerber und ehemaliger DDR Werksarbeiter(innen).

In „Homs und ich“ dokumentiert der 23-jährige Sulaiman Tadmory sein Leben in der belagerten syrischen Stadt Homs. Mit der Angst als ständigem Begleiter zeigt er in eindringlichen Bildern den Alltag der Menschen inmitten des Krieges.

In „Katzenjammer Kauderwelsch“ wird die Biographie der beiden Dirks- Brüder aus Heide in Schleswig-Holstein (Region Dithmarschen) erzählt, die im 19. Jahrhundert in die USA auswanderten und mit ihren Zeichnungen Comicgeschichte schrieben.

Der Dokumentarfilm von Martina Fluck wird in Lübeck seine Weltpremiere feiern. „The Hidden City“ führt das Publikum in die Parallelwelt einer europäischen Großstadt, mit ihren dunklen Tunneln, feuchten Kanälen, Versorgungsschächten und Lüftungen. Er zeigt eine urbane Infrastruktur, die nahezu unbemerkt vom Leben an der Oberfläche einen essenziellen Dienst für die moderne Gesellschaft leistet.

Die bildgewaltige Dokumentation „Olanda“ widmet sich einem Thema der unbewussten Beziehungsverhältnisse zwischen Produzierenden und Konsumenten, und zwar am Beispiel rumänischer Pilzsammler, um die Geschichte hinter Pilzprodukten zu zeigen, die im Supermarkt angeboten werden.

Ein Kurzfilm-Programm komplettiert das Filmforum. In den Kurzfilmen wird unter anderem hinter die Kulissen besonderer Orte geschaut, wie beispielsweise in ein Arbeitsamt in Ludwigslust oder auf das bunte Treiben auf einem Minigolfplatz bei Bad Oldesloe. Die Kurzfilme der Sektion Filmforum nehmen auch am Wettbewerb um den mit 5.000 Euro dotierten CineStar-Preis teil, der seit 2012 von der CineStar Gruppe ausgelobt und am 2. November 2019 bei der Filmpreisnacht der 61. Nordischen Filmtage Lübeck vergeben wird.

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