Doch, doch, wir können auch anders!

Diese These bewiesen Referenten und Teilnehmende unseres diesjährigen Treffens für handgemachte Musik und Kunst, – OktoberSound XIX – das vom 11. bis 13. 10. 2019 in Klocksin ausgerichtet wurde. Mit Seitenblick auf die Zeitspanne zwischen 1919 und 2019 stand der Begriff „Konstruktivität“ im Mittelpunkt aller behandelten Themen. Austragungsort des Treffens war das Café Dubenhus auf dem Blücherhof, einer Gutsanlage, die erst Marschall Blücher gehörte, aber bis auf den heutigen Tag durch viele Hände ging.

Nach einer Einführung in das Programm des Wochenendtreffens erwies sich Dr. Ralf Gehler (aus Schwerin) als humorvoller wie sachlich versierter Kenner der Volksmusik, insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern. Dabei kennt sich der bekannte Volksmusiker auch bestens in der Handhabung von Instrumenten aus, die es bereits in der Bronze- oder Steinzeit oder vor 30.000 Jahren gegeben hat. Als Beispiel stellte Ralf Gehler – neben anderen Blasinstrumenten, deren Herkunft in den Bereich der Musik-Archäologie fallen – eine mitgebrachte Knochenflöte vor. Darüber hinaus berührte Ralf Gehler wiederholt Themen und Beispiele aus dem soziokulturellen Alltagsmilieu, vor allem im Hinblick auf das Leben und die Gegensätze zwischen Musikern in den Städten und auf dem Lande. All diese überlieferten Dinge konnte Ralf Gehler mit seiner eindrucksvollen Stimme beispielhaft dokumentieren. Bei einer anschließenden Jamsession kam sein Akkordeon virtuos zum Einsatz.

Der Agent des Musik-Magazins FOLKER, des Reise-Büros „Gaeltacht Reisen“ sowie des sehr informativen „irland journals“ – Lutz Häselbarth – erzählte sehr engagiert aus seinen Erinnerungen hinsichtlich seiner Tätigkeit als „Bausoldat“ und widerspenstiger DDR-Bürger, der sich zwar einer politischen Vereinnahmung durch Partei und Staat verweigerte, aber keineswegs gewillt war, seine Heimat in Richtung Westen zu verlassen. Lutz Häselbarth bewies, dass man auch unter den Bedingungen eines Umfeldes der geistigen Bevormundung und Gängelei ganz anders kann, als sich total anzupassen.

Lutz Häselbarth vor irischem Schloss (County Donegal)

Für Irland-Enthusiast(inn)en brachte Lutz Häselbarth jede Menge an Informationsmaterial über Land, Leute und Reiseziele bezüglich der „grünen Insel“ mit nach Klocksin.

Weil Musik und Architektur schon zu allen Zeiten in einem dynamischen Wechselverhältnis zueinander standen, berichtete der in Hamburg beheimatete Joachim Gollub von seinen Eindrücken vom Geschehen rund ums BAUHAUS in Weimar, das auf eine hundert- bis hundertfünfzigjährige Geschichte zurückblicken kann, je nach historischer Sichtweise.

Gemeinsam mit den Teilnehmenden bewies der vor allem im norddeutschen Raum bekannte Bluesmusiker und Lou-Reed-Interpret Bertram Scholz, das man auch „anders kann“, als in der Musik nur konsumierenden Passivität zu verbleiben.

Damit alle auch erfuhren, an was für einem historisch bedeutsamen Ort sie sich während des Wochenendtreffens aufhielten, führte sie Norbert Schipke durch Nebengelasse bzw. Nutzgebäude und den nahen dendrologischen Park beim sich in Privatbesitz befindenden Schloss nebenan.

Bei den Jamsessions ‚ging die Post ab‘: OktoberSound XIX war ein gelungenes Treffen in einer reizvollen Umgebung Ostmecklenburgs.

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